MSL Finale - Baselland stellt sich quer

Gespeichert am/um Do., 05. 03. 2020 - 21:02
März
05
2020

 

EHC-Präsident Daniel Schnellmann hatte beim Gesundheitsamt Basel-Stadt ein Gesuch eingereicht, 900 Zuschauer in die St.-Jakob-Arena einlassen zu dürfen. Am Donnerstagmorgen hätte er sich einen positiven Entscheid vonseiten der Behörden Basel-Stadt erhofft, wie Schnellmann sagt. “Damit hätten wir die finanziellen Einbussen zumindest um einen substantiellen Beitrag verringern können”, so Schnellmann. Gerechnet hatte man eigentlich mit über 3000 Zuschauern, bevor das Coronavirus die nationale Sportszene auf den Kopf stellte. Die St.-Jakob-Arena steht jedoch nicht auf Basler Grund, sondern auf demjenigen des Basellands. Und damit obliegt die Entscheidung über eine derartige Bewilligung dem Nachbarkanton. Und dieser machte dem EHC sogleich einen dicken Strich durch die Rechnung.

Kurze Zeit nachdem auf Seiten der städtischen Behörden bemerkt worden war, dass die Halle auf Baselland Boden steht, sandten sie den Fall an die Kollegen - mit der Empfehlung, den Entscheid aufgrund der aufgestellten Risikoabwägung basierend auf einem Antrag des EHC Basel zu bewilligen. Die Behörden aus dem Baselland zeigten sich davon aber wenig beeindruckt und gaben Schnellmann auf Anfrage telefonisch bekannt, dass nichts werde aus den 900 Besuchern. 200 dürften es lediglich sein. Begründung: Man strebe eine einheitliche Regelung an. Da man bereits andere Anträge von Sportvereinen mit dem gleichen Entscheid bearbeitet habe, gelte für den EHC, was auch für alle Übrigen im Kanton gelte: 200 Besucher und nicht mehr.

 

Wenig Erfolgsaussichten prognostiziert

Für Schnellmann nicht nur ein herber Schlag - vielmehr ist der Beschluss auch unverständlich für den EHC-Präsidenten. “Ich habe zu bedenken gegeben, dass man jeden Fall einzeln behandeln und zumindest eine individuelle Risikoabwägung für jeden Antrag machen müsse”, so Schnellmann. Einen solchen einzureichen habe man ihm vonseiten des Gesundheitsamts Baselland zwar auch vorgeschlagen, allerdings gleich durchblicken lassen, dass sich am Entscheid nichts ändern würde. Verwiesen wurde auf mehrere festgelegte Kriterien, auf die man sich dabei berufe. Die Frage, ob er Einsicht in diesen Kriterienkatalog erhalten könne, um sich mit seinem Antrag direkt darauf zu beziehen, wurde Schnellmann verneint.

Ein Vorgehen, dass der EHC-Präsident nicht nachvollziehen kann. Man könne nicht eine Turnhalle oder andere kleine Spielstätten mit einem Stadion vergleichen, das über 6500 Plätze habe, und die gleichen Regeln geltend machen. “Wir hätten viele Vorkehrungen getroffen”, so Schnellmann. “Alle Zuschauer personalisiert, Abstände zwischen den Sitzplätzen gelassen, Restaurant und Verpflegungsstände geschlossen.” Für Basel-Stadt reichte das. Für Baselland nicht. Dem “Kantönlidenken” sei man zum Opfer gefallen, so der EHC-Präsident.

Beim Krisenstab Baselland nachgefragt, sagt Mediensprecher Rolf Wirz zwar, dass man einen Antrag stellen könne und dieser auch individuell geprüft werde. Er sagt aber auch: “Wir streben an, die Gesuche möglichst mit dem gleichen Entscheid zu bewerten. Sagt man einmal ja und einmal nein, macht man sich unglaubwürdig.” Zum spezifischen Fall des EHC konnte er nicht viel sagen, da “ein offizielles Gesuch des EHC Basel nicht bei uns eingegangen ist.” Er stellt aber in Aussicht, dass die Erfolgschancen, einen anderen Beschluss als die bereits kommunizierten 200 Zuschauer zu erhalten, gering seien. “Wir wollen in erster Linie die Bevölkerung schützen”, sagt Wirz. Und verweist auf den am Donnerstag mitgeteilten Anstieg von drei Corona-Fälle im Baselland.

 

Martigny erhält Bewilligung für 900 Zuschauer

Die Lage sieht für den EHC also plötzlich alles andere als gut aus. Sollte es bei dieser Vorgabe bleiben; die Basler Eishockeyaner müssten sich noch beraten, wie vorzugehen sei. Eigentlich hatte man den Abonnenten ein Vorkaufsrecht zusprechen wollen und an ihre Solidarität appeliert mit einem zusätzlichen Pauschalbeitrag , was bei rund 600 machbar gewesen wäre.

Nun aber bleiben dem EHC, nach Abzug aller Spieler und Mitarbeiter, die sich in der Arena befinden, wohl noch rund 100 Tickets übrig, die an Fans verkauft werden können. “Wie wir diese vergeben; das weiss ich noch nicht”, so Schnellmann. “Wir sind in jedem Fall auf die Kulanz unserer Fans angewiesen.”

Noch wird beim EHC aber nicht aufgegeben. Es soll nochmals ein Anlauf bei den Behörden genommen werden. Den Entscheid brauchen die Basler aber bald. Denn der administrative Aufwand, der auf sie zukommt, ist alles andere als klein. Was die ganze Sache noch pikanter macht: Martigny erhielt für die Heimpartie am 12. März vom Kanton Wallis eine Bewilligung. Für den Einlass von 900 Besuchern.